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Interview von Stefan Fischer 2007
Interview by Stefan Fischer 2007

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Caliban EP (selftiteled)
A small boy and a grey heaven
Splitprogramm I mit Heaven Shall Burn
Vent
Shadows Heart
The Opposite from within
Splitprogramm II mit Heaven Shall Burn
The Undying Darkness
The Awakening


Patrick Grün spielt:

Mapex Custom „Orion“ Set:

2 Bassdrums 22”
Toms: 10, 12, 14, 16”
2 “Black Panther” Snaredrums 14x6,5”

Mapex Fusspedale (Single- und Doppelpedale)

Hardware auch von Mapex


Sabian Cymbals “Vault” Serie:

Crash: 18, 17, 16“
China: 20“
Splash: 10, 12“ “HHX”
Hi-hat: 14“ “AAX”
Ride: 22” Megabellride

Nicht mehr lange und schon steht der 25. Mai vor der Tür und euer neues Album "The Awakening" wird veröffentlicht. Ähnlich wie bei "Shadow Hearts" habt ihr euch kein Jahr Auszeit genommen zwischen "The Undying Darkness" und "The Awakening".
Wie meistert ihr und vor allem du es, in diesen beeindruckend kleinen zeitlichen Abständen ein komplettes neues Album zu erschaffen?


Also, so knapp wurde die Zeit diesmal nicht bemessen wie du das gerade sagst. Bei Release ist The Awakening 15 Monate weg von Undying. Ich finde das nicht wirklich schlecht oder ungewöhnlich. Für mich ist das ein recht „normaler“ Albumzyklus. Wir hatten die Wahl im Mai oder erst im September zu releasen. Da wir Anfang des Jahres 2 Monate mehr oder weniger off hatten und die Songs eh schon so gut wie fertig waren, dachten wir, lieber jetzt aufnehmen als später, nicht doof rumsitzen, sondern lieber was arbeiten. Wären wir nicht eh schon so weit mit den Songs gewesen, hätten wir sicher nicht so früh recorden können.

Schottet ihr euch komplett von der Aussenwelt ab und fokussiert euch nur noch auf das Album?

Nicht wirklich. Marc hat die Hauptarbeit mit unserem Produzenten Benny in Heimarbeit am Rechner gemacht und uns die Sachen immer per Mail geschickt. Diesmal war klar, dass wir uns nicht wirklich in das perfekt funktionierende Team mit grossen Songwriterischen Änderungen einmischen werden, sondern jeder sich nur auf sein Instrument konzentriert. Mir war klar, dass ich nur die trommelnde Komponente sein wollte um meinen Job sicher und tight zu machen. Als Band haben wir die Songs vor Studiobeginn nie wirklich geprobt, trafen uns im Studio um dann alles vor Ort zu machen.

Kommst du noch dazu dich in diesen Phasen am Set weiterzubilden?

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich vor langer Zeit aufgehört mich ausserhalb der Band gross an meinem Set weiterzubilden. Klar, wenn wir neue Sachen machen, die nicht wirklich direkt sitzen, muss ich mich hinters Set klemmen und z.B. Moshparts üben, um dann die Motorik zu bekommen. Aber bei dem Pensum was wir an Liveshows haben, bin ich auch oft froh nicht hinter der Kiste zu hocken und das Trommeln mal ganz zu vergessen.

Mit welchen Themen beschäftigt sich "The Awakening"?

Andy hat diesmal nicht zu düstere und traurige Texte geschrieben. Eher ändern die Texte sich während der Platte und geben streckenweise Hoffnung und man sieht mal Licht am Ende des Tunnels. Hahahahaha……..The Awakening eben. Er ist wie der Phönix aus der Asche, der sich seinem Schicksal stellt und das Beste draus macht und nach vorne blickt.

Kannst du oder widmest du dich neben Caliban aktuell noch anderen Projekten?

Nee, im Moment nicht wirklich. Ich hatte Anfangs noch andere Bands (Six Reasons To Kill und Superfly 69), die ich aber aufgrund der fehlenden Zeit aufgeben musste. Ich hatte auch öfters mal Angebote für andere Bands im Studio zu trommeln, aber auch das hab ich abgelehnt, da ich mich in Tourfreier Zeit auch mal anderen Themen widmen will wie nur der Musik. Ich hab Familie, ne Freundin, Freunde, ein Leben um die Band herum, die alle viel auf mich verzichten müssen und trotzdem immer zu mir stehen und mich mit offenen Armen empfangen wenn ich da bin.


Im Caliban Board habe ich gelesen, dass du seit gut 18 Jahren Schlagzeug spielst. War es für dich schon immer klar, dass du professioneller Musiker wirst – oder war es ein Traum der in Erfüllung gegangen ist?

Auf der einen Seite wars für mich klar das ich das immer wollte. Nur hat man oft nicht dran gedacht das es mal wahr wird. Anfangs hieß es immer, träum nicht so viel und konzentrier dich auch mal auf die echt wichtigen Dinge wie nen normalen Job und so. Das hab ich auch gemacht und lange als Gross- und Aussenhandelskaufmann gearbeitet. Als dann der Durchbruch kam, war ich weg und hab alle lügen gestraft, die gesagt haben, das ist nur ein Traum und ich würde es nicht schaffen. Aber ja, ein Traum ist in Erfüllung gegangen, aber ich habe mein Leben der Musik gewidmet und war kompromisslos bis in die letzte Sekunde. Es hat sich ausgezahlt!!!!

Du bist ja nicht von Anfang an bei Caliban dabei gewesen?

Nein, ich bin 2003 dazugestossen. Ich sollte ursprünglich nur als Aushilfe für ne USA Tour spielen. Daraus wurden danach auch noch ein paar Festivals. Irgendwann haben sich beide Seiten entschieden dies fest zu machen, da auch der alte Drummer sich lieber auf sein Studium konzentrieren wollte und es eh nicht seine Passion war, nur als Musiker durch die Gegend zu tingeln.

Überrascht hat mich zu lesen, dass du noch nie einen Schlagzeuglehrer gehabt hast. Bei deiner aktuellen Performance am Schlagzeug, frag ich mich, wie bist du als Autodidakt so gut geworden?

Erstmal DANKE für die Blumen. Ich weiss nicht?! Ich habe schon immer viel Musik gehört und hab Anfangs viele meiner Lieblingslieder nachgespielt und gelernt. Grosse Hilfe war da immer Dave Lombardo von Slayer, obwohl ich zur heutigen Zeit nicht mehr so klinge wie er, was aber auf den früheren Songs der ersten Bands in denen ich gespielt habe, ganz anders war. Da konnte man sehr gut hören wer mein Idol war. Ich hab über die Jahre immer versucht kreativ und vorausschauend zu sein. Durch das viele Spielen und das begutachten von anderen tollen Drummern, wird man unterbewusst beeinflusst und lernt. Technik musste ich mir auch selbst beibringen. Obwohl ich denke, ich hab nicht wirklich ein. Hahaha…… Aber wenn das spielen zu anstrengend wird, muss man gucken wie man es kräftesparender hinbekommt. Klar hab ich mir mal ein paar Tricks und Tipps von anderen geholt, aber sonst weitestgehend alles selbst beigebracht. Und glaub mir, ich kann bis heute keine eine Note lesen.

Hast du einfach geübt wonach du Lust hattest, oder hast du über die Jahre Techniken und Stilistiken abgearbeitet?

Oh, das hab ich grad wohl oben schon mitbeantwortet. 

Nicht jedem Kind wird der Traum Schlagzeug spielen zu dürfen erfüllt. Wie bist du auf die Drums gekommen? Standen deine Eltern auch hinter der Musik?

Ich wollte eigentlich immer Gitarre spielen. Aber dafür bin ich zu grobmotorik. Das Gute ist, mein Vater hat über 30 Jahre Musik gemacht. Und was hat er wohl gespielt?! Genau, Schlagzeug. Als ich in die Pubertät kam war ich ein echter Rebell und hab viel Stress zu Hause veranstaltet. Meine Mutter hat dann Klartext mit meinem Vater gesprochen und er hat das Musizieren an den Nagel gehangen. So stand dann ein Set im Keller. Ich hab mich drangesetzt und konnte auf Anhieb ohne Hilfe oder sonst was nen 4/4 Takt spielen. Das war so ein positives Erlebnis für mich, dass ab da klar war, dass ich die Gitarre an den Nagel hänge und drummen werde.Was mein Vater natürlich super fand. Und ja, meine Eltern standen immer voll hinter mir und tun es auch heute noch. Ich bin beiden unendlich dankbar, denn sie haben immer an mich geglaubt und mich 110%ig unterstützt.

Gibt es spezielle Techniken die deine Geschwindigkeit positiv beeinflussen?

Wie gesagt, ich hab keine Technik – denke ich. Für die Doublebass brauche ich nur Kondition, die Hände musste ich mir über die Jahre „antrainieren“. Aber sollte da draussen einer ne Idee haben wie ich kräftesparender meine Beine bewegen kann, immer her mit Tipps. Ich bin für alles dankbar!!!!

Wie konzipierst du die Drumparts für die Caliban Songs?

Wenn Marc mit Riffings ankommt ist schnell zu hören was passieren muss. Ich denke das wir gut zusammenarbeiten und ich mitlerweile weiss, wie er die Songs sich vorstellt. Bei den Moshparts versuche ich natürlich die Bassdrum auf die Anschläge der Gitarre zu legen, um diese dann einfach noch brutalter und härterklingender zu machen. Die Breaks kommen dann beim Spielen. Ich denke nicht, dass ich was aussergewöhnliches mache oder ne andere Art oder Technik habe mein Schlagzeugspiel auf die Musik zu bringen, wie das auch andere machen.


Welches Set spielst du momentan, welche Fussmaschinen? Müssen deine Fussmaschinen speziell eingestellt sein, oder legst du einfach so drauf los? Ich möchte hier eine unbeantwortete Frage aus dem Board aufgreifen: Welche Cams benutzt du dabei?

Ich bin vor kurzem zu Mapex und zu Sabian gewechselt. Ich war vorher bei Pearl und Paiste. Ich spiele zur Zeit ein Custom „Orion“ Set und die „Vault“ Serie von Sabian. Ich benutze auch die Mapex Fussmaschinen (2 Singlepedale, oder auch schon mal das Doppelpedal wenn ich nur eine Bassdrum zur Verfügung habe). Ich lasse die Federn immer auf Werkseinstellung, ziehe nur mal die Konterschrauben an. Es sei denn die Pedale federn unterschiedlich. Dann stelle ich diese natürlich gleich ein. Die Cams die ich benutze sind standard. Nix besonderes. Ich bin nicht so der experimentierfreudige.


Bleiben wir gleich mal beim Thema Drumset. Du spielst ATTACK Drumheads. Die Marke ist ja nicht so bekannt wie REMO oder EVANS.
Wie bist du auf sie gestoßen und bringt der nahtlose Reifen einen Sound den du mit anderen Fellen nicht erzielen konntest?


Ich bin von Attack angeschrieben worden, da sie mich gerne Unterstützen wollten. So habe ich verschiedene Felle von ihnen bekommen und die auch alle live und im Studio ausprobiert. Ich bin sehr zufrieden mit den Heads. Sie sind sehr unkompliziert zu stimmen und harmonieren sehr gut mit den Mapexkesseln.


Wie erlebst du persönlich Tourneen mit Caliban durch Europa?

Ich liebe es auf Tour zu sein, die Welt zu sehen und jeden Abend live auf der Bühne zu stehen. Das war was ich mir immer erträumt habe. Ich habe immer darum gekämpft, bis es nun endlich wahr wurde. Klar muss man viele Kompromisse machen und man hat auch viele Einbußen. Aber das bringt das Leben als Tourender Musiker so mit sich. Aber zum Glück habe ich eine sehr verständnisvolle Freundin und ein grossartiges Umfeld.

Ist die Fangemeinde in Nord- und Südamerika "anders"?

Ja, die Fans in Südamerika sind viel dankbarer und weniger verwöhnt. Es kommen nicht allzu viele Bands dorthin und sie haben nicht eine „normal“ funktionierende Musikkultur in der ausländische Bands eine Rolle spielen. Aber ich kanns nicht erwarten ende Mai wieder dort spielen zu können.


War die gemeinsame Japan Tour mit Killswitch Engage und Shadows Fall ein Karrierehighlight für dich?

Für die Band wars sicher ein Highlight. Ich war zu der Zeit noch nicht dabei. Aber ich weiss, dass die gemeinsame Tour mit Machine Head 2004 ein absolutes Karrierehightlight für die Caliban in Europa war. Diese Tour hat uns anschliessend viele Türen geöffnet und dafür sind wir heute noch den Jungs von MH dankbar, die uns damals mitgenommen haben.

Oft sagen mir Drummer aus der Metal Szene, dass sie an physische Grenzen stoßen – wie hältst du dich fit für Tourneen, Konzerte, Studiorecording-sessions? Gehst du auch manchmal ans Limit?

Ich gehe jeden Abend ans Limit. Nach der Show sehe ich aus, als käme ich vom Schwimmen. Ich gebe jeden Abend alles und spiele mir die Seele aus dem Leib. Ich gehe oft zu medizinischen- und Heilmassagen. Gehe in die Sauna, versuche auf Tour gesund zu leben. Ich habe doch gemerkt, dass jeden Abend saufen und feiern nicht das Beste ist, was man auf Tour machen kann. Bei Touren die mehrere Wochen gehen, merkt man das schnell und die logische Konsequenz ist, auf sich zu achten. Aber es ist auch wichtig für mich, dass wir mal ne Zeit off haben um vor allem den Kopf freizubekommen. Das finde ich viel anstrengender wie jeden Abend zu spielen.

Mit "The Awakening" habt ihr wieder einmal gezeigt (denn ich durfte es schon hören *haha*) was ihr drauf habt und vor allem was du hinter dem Set leisten kannst - ab 25. Mai dürfen es dann auch alle Fans hören – kannst du jetzt trotzdem etwas über eure Zukunftspläne sagen?

Wir alle freuen uns erstmal darüber das die ganze Sache eingetütet ist. Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis und können es kaum erwarten The Awakening auf die Menschheit loszulassen. Wir werden diesen Sommer diverse Festivals in Europa spielen, ende Mai nach Südamerika fliegen, die USA betouren und sicher im Herbst wieder auf Europatour gehen. Das sind erstmal die Pläne die fix stehen. Was noch dazu kommt ist noch nicht klar. Australien und Japan würden wir auch gerne dieses Jahr wieder hinbekommen.


Was wünschst du dir für die Zukunft?

Erstmal wünsche ich mir, dass alle das Album genauso gerne mögen wie wir selbst. Dann natürlich, dass wir noch lange die Möglichkeit haben unseren Job zu machen. Gesundheit und Weltfrieden!!! ;-)

Eine Frage zum Schluss: Du hast es geschafft dich selbst dort hinzutrommeln wo du jetzt stehst – was würdest du dem Nachwuchs empfehlen um erfolgreich zu trommeln?

Hört viel Musik, lasst Euch von verschiedenen Stylen inspirieren und trommelt nicht mit Tunnelblick. Ansonsten spielen, spielen, spielen. Ich finde, unterreicht zu nehmen ist nicht zwingend notwendig.