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Interview von Stefan Fischer 2007
Interview by Stefan Fischer 2007

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Du kannst die Finger von der Musik nicht lassen?

Nee, ich mein klar, also vielleicht der erste Tag nach so einer Tour, wenn ich zurückkomme, da übe ich jetzt nichts, es ist auch nicht so, dass ich jetzt jeden Tag üben würde, aber ich mach dann schon irgendwas mit Musik jeden Tag und wenn es die Organisation ist, dass ich die Leute anrufe, für die nächste Platte und frage wann man sich treffen kann. Ich glaube einfach, wenn man was erreichen will muss man einfach jeden Tag ein bisschen was für dieses Ziel machen und dann wird’s was.
Und viele sagen immer - ja Mensch wenn ich mal zeit hätte … man muss sich die Zeit nehmen, für die Dinge, die einem etwas bedeuten.

Dein Ding, versuchst es zu machen, ist für dich Musik mittlerweile
Business?

Musik und das Musikbusiness sind zwei Paar Stiefel.
Ich meine ich muss oder ich darf ja von der Musik leben und ich muss
natürlich schon gucken, dass ich den Gegenwert von dem was ich tue,
auch möglichst bekomme. Also ich glaub schon das man als erfolgreicher
Musiker oder überhaupt als erfolgreicher selbständiger Mensch einfach verschiedene Aspekte berücksichtigen muss. Das Produkt das man macht muss definitiv stimmen, die Werbung aber eben auch, die Verwaltung muss stimmen, dass Sekretariat und und ... man ist das alles halt selbst.

Und diesen Aspekt gibt es und obwohl der mir nicht so viel Spaß
macht, wie das Musik machen an sich, gehört er dazu ... eigentlich würd ich nur gerne Musik machen, aber das geht eben nicht.

Alle Sachen im Leben haben eben mehrere Seiten und darüber muss man
sich einfach bewusst sein und es gibt so viele Musiker die einfach tierisch spielen, aber die dann menschlich … wo das nicht funktioniert oder die man einfach nie erreicht oder die nie zurückrufen und dann bleibt es an so einem Punkt stecken und das ist dann wirklich schade. Und ich versuche mich in allen Ebenen zu verbessern. In manchen bin ich schlecht in manchen besser, aber ich versuch da alles einfach gut hinzukriegen und zu schauen, dass ich Musik mache. Hilfreich ist außerdem, dass ich Menschen mag.


Das Reisen gefällt dir also?

Ja reisen gefällt mir, ich war auch nie jemand der Probleme mit Hotels hat, ich kann daran nichts schlimmes feststellen jeden Tag ein frisches Handtuch oder Bettwäsche zu haben (lacht), ich finde das extrem klasse, ich durfte in Ländern spielen in denen ich noch nie war.Das einzige ist natürlich, dass ich dann meine Freundin vermisse und das ich schauen muss, dass ich zu
Hause auch ab und zu wieder zur Ruhe komme und da was mache, aber das viele Reisen gefällt mir eigentlich schon. Aber in Zukunft wird es nicht mehr so lange Auslandsphasen geben, ich hab jetzt diese zwei Monate am Stück hinter mir … allein schon mal wie viel Wäsche man da mitnehmen muss und dann kommt man nach Jause und man merkt da ist soviel liegen geblieben, soviel Post und soviel Zeug, also es ist schon sehr abnormal, eine sehr sehr seltsame Situation. Und das kann man vielleicht ausgewogener gestalten, mit vielleicht mal einer Woche weg, eine Woche da oder zwei Wochen weg, zwei Wochen wieder da  - aber doch Reisen finde ich klasse, aber es war auch immer ein traum für mich.
Es war auch ein wahnsinniges Gefühl wenn man am einen Tag in Neuseeland spielt, am nächsten Tag in Australien und am nächsten Tag in China und bei der China Drumclinic – ich war noch nie in China, ich hab keine Ahnung was da los ist – da kamen über tausend Leute und da kann man einfach Abends froh ins Bett gehen ... vorausgesetzt man hat nicht was schlechtes gegessen (lacht).

Wie hältst du das mit den ganzen Zeitzonen und so aus?

Die Standardregel ist zu versuchen solange aufzubleiben
nach der neuen zeit wie es geht und dann bis zum Morgen durchzuschlafen ... soweit die Theorie (lacht),  manchmal geht das natürlich nicht, also zum Beispiel der Flug nach New Zealand, das war ein Jetlagg des Oberwahnsinns – ich wusste überhaupt nicht mehr wo oben und unten war. Da wacht man schon mal Morgens um zwei Uhr auf und ist total am Start. Ich bin dann Nachts in der Stadt spazieren gegangen, was auch sehr schön sein kann.
Man muss sich eben schon ein bisschen nach dem Körper richten.
Es gibt da Leute die dann Schlaftabletten nehmen am Abend und so einen Scheiss aber ich lass die Finger davon.Ich meine so eine Reise ist einfach sehr anstrengend, ich versuch mich einfach wenn es geht, gut zu ernähren, besser als zu Hause sogar, so dass ich halbwegs fit bleibe von dem was ich zu mir nehme. Ich hab z.b. bei dieser Welttournee gemerkt das zum Schluss die Power weg war, ich war dann auch noch in China was komisches gegessen und ab dem nächsten Tag in England hat mein Magen außer Salzstangen nichts mehr toleriert.

Freizeit, ab Oktober hast du mal wieder frei  und Zeit für dich, was machst du dann?

Da werd ich mich jetzt vor allem um meine Platte
kümmern, bisschen schreiben, bisschen üben wieder.

Wieder Musik?

Auf jeden Fall. Aber es ist ein großer Unterschied ob ich unterwegs
bin und einfach spiele oder ob ich halt Zeit für mich habe, in meinem Studio ein paar Sachen schraube, es ist einfach eine andere
Geschichte, dass vermiss ich wirklich. Obwohl ich jeden Tag spiele,
vermiss ich mein Üben. Ich muss jetzt unbedingt wieder üben. Und da freu ich mich extrem drauf und werde natürlich Zeit mit meiner Freundin und meinen Freunden verbringen und mal wieder zu Hause sein.





Die letzten Jahre in deiner Karriere – es ging steil auf? Träume,
Hoffnungen war geworden?

Total viele. Ich hab also auch musikalisch von dem was so passiert und mit welchen Leuten ich spielen darf, ist total viel eingetreten, von dem was ich mir gewünscht habe. Ich mein ich hab natürlich auch sehr hart dafür gearbeitet, deswegen fühlt es sich für mich, ... (überlegt) also ,es ist schon so das ich in den letzten 2-3 Jahren plötzlich extrem viel ernten durfte, aber für mich geht’s eigentlich in einer langsamen Kurve so nach oben, die für mich auch mit stetig wachsendem Arbeitsaufwand verbunden ist.
Und gearbeitet hab ich an meinem Musikkram schon als Teenie wie ein
blöder. Aber es ist halt auch so das jetzt alles an die Öffentlichkeit rangeht. So Drummagazine interessieren sich mittlerweile weltweit für mich, dass war einfach vorher nicht so. Ich hab vorher auch viel in Bands gespielt und auch viel gemacht, nur ich war dann eben , wenn überhaupt, lokal bekannt und nicht deutschlandweit bekannt, wie das eben so ist, dann war ich deutschlandweit bekannt, jetzt für Trommler
zumindest weiter darüber hinaus und ich bin da total dankbar für und muss mir dafür auch manchmal die Zeit nehmen. Weil es schon wahnsinnig schnell geht. Ich musste einfach mit meinen Business Skills total nachkommen, dass war etwas, was ich gemerkt habe, dass war etwas, wo ich einfach nicht mehr nachgekommen bin, die ganzen Flüge buchen, Anfragen verwalten auf Mails antworten ... rechtzeitig eben. Diese ganzen Sachen, dass hat in der Anfangshase schon ab und zu mal gelitten. Ich bekomme durchschnittlich  wirklich so 200 pro Tag bearbeitungspflichtige Mails, wo man dann
sagen kann, okay das muss jetzt … ich kann entweder nur den ganzen Tag zu Hause bleiben und vor dem Rechner sitzen oder ich muss etwas
weiter delegieren. Jetzt habe ich einen Agenten der für mich Flüge bucht, der für mich Sachen organisiert, wo ich dann anfragen weiterleiten kann. Der die dann über die Bedingungen informiert, über das was ich dann brauche, ob ich überhaupt Zeit hab, dass weiss der dann alles. Aber wo ich vor allem stolz darauf bin, ist das ich nicht nur Jobs annehmen und zu sehen muss, dass ich über die Runden komme, sondern, dass ich einfach das machen kann, worauf ich Bock habe und da auch ziemlich rigoros bin mittlerweile und mir das einfach enormen Spass macht.
Das sind dann zum Beispiel Sachen, bei denen sich andere denken, dass würd ich nicht machen – so – ich aber
(lacht). Also wie mit dieser Blasmusik Nummer bei Grebfruit -  das ist jetzt nicht der typische Playback Song für eine Drumsoloplatte, aber auch andere Sachen die ich spiele. Wenn ich auf Nummer sicher gehen würde, würd ich mir was zurecht programmieren das Abspielen und darüber fegen. Ich versuch mir möglichst treu zu bleiben.
Das heißt unter anderem auch bei Drumclinics soviel Musik zu machen
wie möglich, manche Menschen sehen das ja immer so als Werkschau – schau mal was ich alles kann. Und ich rede einfach viel über Musik und über das, was ich sonst so mache. Weil ich mach ja nicht nur Clinics, ich mach ja im Studio was, ich schreib selber was, ich hab jetzt erst etwas für ein Hörbuch geschrieben, vieles unterschiedliches Zeug und ich hoffe und weiss auch das Leute auch darüber etwas wissen wollen und nicht nur wie schnell man 16tel Noten spielt.


Musikmesse  - Wie erlebst du diese Tage? MEINL  Aquarium du sitzt da
drin vor dir sind immer so 50-100 Leute, alles wahrscheinlich
Schlagzeuger, wie erlebst du das?

Die Tage haben für mich Tradition, weil es irgendwie der
erste Industriegebundene Gig überhaupt war, wo eine Company zu mir
gesagt hat, Mensch spiel doch mal für uns auf der Messe lass uns mal
irgendwie einen Workshop anfangen ... übrigens nervt es mich zwar auch, dass da immer ein wahnsinniger Geräuschpegel herrscht weil jeder auf allem rumhaut, allerdings muss ich eben gestehen das ich auch mal einer von denen war.
Mittlerweile ist die Messe allerdings auch zu einem Treffpunkt
Geworden, wo ich ganz viele alte- und neue Bekannte treffe und es
heutzutage auch nutze um Sachen zu besprechen, Sachen klar zu kriegen, die ich schon immer mal mit den Firmen besprechen wollte und dieses Aquarium, weil du das grade erwähnst, ist das für mich der – man darfs gar nicht laut sagen – angenehmste Platz auf der Messe gewesen. Das ist ein klimatisierter Soundproof Room, d.h. wenn du da reingehst ist kein Lärm, es ist angenehm kühl,  und du darfst auch noch trommeln.Ehrlich, Ich bin da extrem gerne reingegangen. Ich weiss das es von außen manchmal so
ein bisschen „bitte nicht füttern“ mäßig aussieht, aber als Spieler an sich war es echt komfortabel.


Im MEINL Katalog – Thomas Lang, Benny Greb Foto?

Du meinst das Bild von uns beiden im Whirlpool? Es ist so witzig, weil ich echt so oft darauf angesprochen wurde. Wir haben uns einfach auf der NAMM Show in L.A.getroffen, sind
da halt zusammen rumgelaufen, haben uns Sachen angeschaut und waren
eben auch im selben Hotel und an einem der letzten Tage haben wir
zusammen im Whirlpool gesessen und über Sachen geredet und irgendwann dacht ich mir, es ist doch eigentlich abgefahren das wir hier rumsitzen so mit Palmen und mit Whirpool ... lass mal ein Foto machen und dann hab ich da eben versucht mit Selbstauslöser ein Foto zu machen. Und das ist noch eine der harmlosen Posen … (lacht laut) Da gibt’s noch ganz andere, wo wir viel peinlicher aussehen . Das ist einfach ein witziges Bild. Hab Thomas damals gefragt ob das ok ist und dann hat es sogar MEINL auch auf die Seite gestellt. aber im
Ernst, eigentlich ist es ein cooles Bild, denn es zeigt auch die Kameraderie die zwischen Trommlern herrscht, viele erzählen mir immer von dem und dem Trommler und vergessen, dass ich mit den meisten gut befreundet bin und wir uns immer wieder über den Weg laufen.

Das ist eine total nette Sache, dass man sich als Community
fühlt und gerade wenn man solche Events spielt wie die Pasic, Montreal Drumfest, the Ultimate Drummers Weekend usw. ... ich hatte das Glück auf extrem vielen Festivals dieses Jahr spielen zu können und es sind irgendwie immer dieselben Leute, man verbringt da schon schöne Feiern zusammen.


Was war bei den Sticks wichtig?

Ich war schon immer ein 5b Spieler und hab dann irgendwann gemerkt, dass das 5b Format pro Firma ja ziemlich unterschiedlich sein kann, ich dachte früher es gibt ein Maß und das isses - doch da gibt es selbst unter gleicher Bezeichnung doch extreme Unterschiede. Ich habe lange rumprobiert, habe dann manchmal auch mit 2bs geliebäugelt und manchmal auch mit 5as und hab immer überlegt wie ich wohl die Vorteile der verschiedenen Stickgrößen vereinen könnte.Beim 5b war es einfach der Flex bzw. Rebound, bei den 2b mochte ich immer den Sound. Das Endergebnis ist nun im Prinzip ein etwas dickerer 5b, ein gepimpter 5b sozusagen :-), der den Sound und Wucht eines etwas dickeren Stocks mit dem Rebound und der Kontrolle eines schlankeren Sticks vereint. Ich wollte eben den besten 5b – meiner Ansicht nach -  auf dem Markt herstellen und das ist jetzt der Pro-Mark. Der ist einfach ein Traum. Die von Pro-Mark haben mir gleich am Anfang gesagt, wenn du irgendwelche Vorschläge hast … wenn eine Firma dir sagt, wir haben das Know-How und alle Möglichkeiten und man darf damit seine ideen umsetzen, ist das der Hammer. Übrigens ist das ebenso mit Sonor und Meinl der Fall, ich bin da wahnsinnig dankbar für.

Wenn du kein Musiker geworden wärst, was wäre dann mit dir passiert,
nach deinem Schulabschluss?

Kann ich nicht sagen (überlegt). Weil ich nicht weiss, wie es gewesen wäre, wenn es anders gelaufen wäre. Ich weiss nur wies jetzt gelaufen iss ... und ich bin ganz zufrieden bisher.

Hattest du eine Alternative im Kopf?

Nun ... Ich war schon immer so in der Kunstecke, hab mich für
Schauspielerei interessiert, hab mich für malen und zeichnen
interessiert. Hab auch ne Zeit lang als Karrikaturist gearbeitet
... also ich hab eben mal ein paar Karrikaturen gemacht, dafür auch
Kohle gekriegt und gedacht, dass könnte es sein. Aber irgendwie war Musik so das stärkste, ich weiß nicht was ich sonst gemacht hätte.Wahrscheinlich immer irgendwas mit Menschen, irgendwas mit Kunst, irgendwas mit Kreativität.

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Wer Benny Greb persönlich kennen lernt, ob in einem längeren Gespräch
oder auch nur bei einer Autogrammstunde, der merkt schnell, was
Herzlichkeit, Freundlichkeit und Offenheit
bedeutet.

 
Benny dein neuester Streich hat einen auf den ersten Blick
unausprechbaren Namen, wie kams zu diesem Projekt?

3ergezimmer (lacht) (Anm. d. Red.: sprich: "Dreier-gezimmer").
Ich fand Fusionmusik immer schon toll allerdings stört mich bisweilen
der technische und oberlehrerhafte Touch.
Ich lege einfach Wert darauf, dass es grooved und sich auch gut
anfühlt, nicht nur intellektuell interessant ist.
Ich hatte unter diesem Stern auch zu Studienzeiten eine Fusionband mit
dem Namen Lehrergezimmer um eben dieses Oberlehrertum zu persiflieren.
Und als sich dann die Band mit Peter und Frank bildete (Peter Wölpl an der Gitarre, der u.a. bei Billy Cobham Gitarre gespielt hat und
Frank Itt am Bass), haben uns dann eben weil wir dieses Trioding da
reinbringen wollten 3ergezimmer genannt, unter anderem damit es kein
Amerikaner aussprechen kann. Das ist doch mal ein guter Vorsatz.

Gegen den Mainstream?

Das ist bei mir eh immer so (lacht).

Jetzt liegen gerade deine wunderschönen Signature Sticks von dir vor
mir. Es gibt ja ein Video von dir in Texas bei Pro-Mark - wie war es
in der Firma zu sein?

Super! Das war nach der PASIC, die ja eh in Texas war
und da die Pro-Mark Jungs und Pro-Mark Factory in Houston ist, hab ich
die angerufen und meinte ich will mir das angucken und will unbedingt sehen wie,
meine Sticks gemacht werden, will mehr über die Firma wissen. Und mir ist es halt immer einfach wichtig, auch was über das Zeug zu wissen, was ich da spiele.

Und die Typen bei Pro-Mark sind nicht einfach nur eine Firma sondern echt gute Freunde. Kevin der A&R Manager von Pro-Mark hat mich in seiner Wohnung pennen lassen und wir haben ein paar gute Tage gehabt. Wir sind dann runter gefahren zur Fabrik und ich hab mir alles ausgiebig angeschaut und mitgefilmt, leider riecht man beim Betrachten des Videos nicht wie wunderbar es dort nach Holz gerochen hat. Die Holzrohlinge, so Hickorystangen, werden gedrechselt, lackiert, abgewogen und pitch-paired – also nach dem Ton gepaart. Es war einfach eine geile Erfahrung, der Clip der daraus entstand ist auf youtube.com zu sehen.